Leise Pfoten

In dem Wald meiner Gedanken herrscht ewige Dämmerung. Das saftige Grün der Bäume und Farne erscheint im zaghaften Licht dunkel fast braun. In den Schatten ist Leben. Überall schlafen kleine Kreaturen einen traumvollen Schlaf: Nachtgeister, Kobolde, Rußmännchen und eine erstaunliche Vielzahl von Tieren mit großen Augen und kleinen Nasen. Manchmal lege ich mich in diese Schatten und spüre, wie warmer Pelz und Nebelschleier mich zärtlich einhüllen.

Meist ist es still dort, doch ab und zu wirbelt ein sanfter Windhauch ein paar Ideenblätter auf. Und wenn ich Glück habe kann ich mit flinken Fingern eines erhaschen.

Manchmal streckt ein Tier seine Nase aus dem Schatten und blinzelt mir zu. Dann ist es wieder ruhig.

Doch seit kurzem nehme ich hier und da eine Bewegung wahr, ein Rascheln im Dickicht. Hinter einem Baum lugen da ein paar Pinselohren hervor und dort erhasche ich aus den Winkeln meiner inneren Augen einen Blick auf eine weichbefellte Gestalt, die anmutig die verschlungen Pfade kreuzt.

Gelegentlich fühle ich mich sogar im Nacken gestupst, sodass ein leises Kitzeln den Körper durchfährt. Doch so sehr ich meine Gedanken schweifen lasse, ich erahne stets nur noch das Zittern der Grashalme.

So lausche ich immer wieder tief in mich hinein, warte auf das Rascheln und hoffe das mein scheuer Besucher diesen Wald zu seinem Revier machen möge.

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